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  nachrichten von acem  
    No. 1 2009 Acem Deutschland    
 

 

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Ein leerer Geist
von Torbjørn Hobbel, Meditationslehrer in der Acem Meditation

T. Hobbel

Kann man diesen Zustand mithilfe der Meditation erreichen?

Jeder Meditierende muss sich -unabhängig von der ausgeübten Meditationstechnik- mit während der Meditation aufkommenden Gedanken befassen. Viele, die erfolglos zu meditieren versucht haben, sagen: "Es war zu schwierig. Ich war nicht in der Lage, meine Gedanken abzuschütteln." Der folgende Artikel enthält einige Überlegungen zu Gedanken während der Meditation aus der Acem-Perspektive und vergleicht sie mit buddhistischen Ansichten. Der Umgang mit derartigen Gedanken während des Meditierens und das Verständnis ihrer Bedeutung unterscheidet die Acem-Meditation von den meisten anderen Methoden.


Vor einiger Zeit las ich ein buddhistisches Magazin aus den USA . Darin antworteten drei berühmte Buddhismus-Lehrer aus Ost und West auf Leserfragen. Eine davon lautete in etwa: Ich bin seit über zwanzig Jahren Buddhist und verfüge über  lange Erfahrung in der Meditation. Doch nie ist es mir gelungen, tatsächlichen Frieden oder Gedankenleere in der Meditation zu erreichen - abgesehen von ein paar kurzen, gelegentlichen Augenblicken. Der Fragesteller fühlte sich leicht desillusioniert: Kein Fortschritt trotz all des wunderbaren  Unterrichts und der vielen, gewissenhaften Übung. Latente Traurigkeit manifestierte sich in dem verständlichen Zweifel: Was sollte das Ganze überhaupt?


Das Problem der Gedanken

Jeder, der ernsthaft eine Meditationstechnik ausübt, kennt das Problem der aufkommenden
Gedanken, wahrscheinlich vor dem Hintergrund der Erwartung eines vollständigen geistigen Friedens. Behalten wir im Hinterkopf, dass es sich hierbei um eine Herausforderung für alle Meditierenden handelt. Aus der meditationspsychologischen Sicht von ACEM wollen wir daher einen kurzen Blick auf die Antworten der drei buddhistischen Meister werfen. Zwei der Lehrer versuchen Ihr Bestes, um den meditierenden Buddhisten zu beruhigen und zu ermutigen. Sie betonen, wie wichtig es ist, die Meditation auch dann fortzuführen, wenn keine unmittelbaren positiven Effekte  bemerkbar sind. Sie würden sich spätestens  im Augenblick des Todes offenbaren - wenn nicht früher. Das Problem ist die lange,  lange Zeit, die für das nötig ist, was sie die "Entprogrammierung" des Geistes nennen. Ihre Botschaft ist also: Nicht aufgeben! Die Meister kommen nicht auf das Problem der während der Meditation aufziehenden Gedanken zu sprechen und scheinen die unterschwellige Annahme des Fragestellers zu teilen, dass diese Gedanken eines Tages auf wunderbare Weise verschwinden werden.


Der dritte Lehrer war eine Frau aus dem Westen. Sie schreibt, dass die Meditationspraxis immer eine Wirkung hat, allerdings nicht unbedingt die von uns vermutete. Ihr zufolge ist die Erwartung einer geistigen Leere unrealistisch, und sie rät dem Meditierenden, nicht an den Gedanken festzuhalten, sondern sie vorüberziehen  zu lassen, indem er zu seiner Meditationsübung zurückkehrt: "Was die Abwesenheit  von Gedanken betrifft: Diese Erfahrung macht niemand von uns. Lass sie kommen und gehen, wie die Landschaft an einem Zugfenster vorüberzieht." Diese Antwort weist große Gemeinsamkeit mit der Art auf, wie in der Acem-Meditation mit Gedanken  umgegangen wird. Acems Meditationspsychologie bezeichnet diese Gedanken als spontane Aktivität, was eine wichtige Eigenart der Gedanken in der Acem-Meditation unterstreicht: Ihr spontanes Entstehen, ohne jegliche Willensanstrengung auf Seiten des Meditierenden.


Die Gedanken sind nicht das Problem

Die Antworten der Meditationslehrer sind jede auf ihre Art hilfreich, aber aus der  Sicht von Acem übersehen sie alle einige wichtige Aspekte der Frage. Ein bedeutender Unterschied zwischen der Acem-Meditation und anderen Techniken besteht darin, dass wir die Gedanken kommen und gehen lassen, wie es ihnen beliebt. Wenn wir uns ihrer bewusst werden, kehren wir gelassen zur Wiederholung des  Meditationslautes zurück. Ohne Anstrengung oder Konzentration wird der Laut in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Für Anfänger in der Acem-Meditation ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht darum geht, die Gedanken zu bekämpfen, sondern ihnen ganz im Gegenteil mehr Raum und Freiheit zuzugestehen. Man sollte den Meditationslaut wiederholen und gleichzeitig die Anwesenheit der Gedanken  akzeptieren. Das bezeichnen wir in der ACEM-Meditation als freie geistige Haltung. Es kann eine Weile dauern, bis man diese Haltung entwickelt hat, und das Problem kann immer wieder in den fortgeschritteneren Phasen des Meditationsprozesses auftauchen. Wenn man bedenkt, wie schwierig  dieser Aspekt der Meditation ist, stellen die Praktizierenden mit Recht folgende Frage: 
Warum ist es so wichtig, die Gedanken kommen und gehen zu lassen, anstatt sie als Störungen anzusehen?


Die Wichtigkeit der Gedanken

In der Acem-Meditation sind Gedanken nicht bloß etwas, mit dem man leben muss. Im Gegenteil, sie spielen eine wichtige Rolle und sind integraler Bestandteil des  Meditationsprozesses sowohl in kurz- als auch in langfristiger Hinsicht. Wir meditieren während der Wiederholung des Lautes, aber wir meditieren eben auch dann, wenn wir uns in Gedanken verlieren, wenn wir das erleben, was spontane Konzentration genannt wird. Dies intellektuell zu verstehen, verhilft uns nicht nur zu besseren Ergebnissen bei der Meditation, sondern auch zur Kenntnis eines fundamentalen Aspekts der menschlichen Psychologie.


Unter anderem rührt die spontane Aktivität des Geistes von Nachwirkungen aus der  jüngeren oder weiter zurückliegenden Vergangenheit her. Diese Gedanken sind Teil einer inneren Neuordnung, die während der Meditation stattfindet. Sie repräsentieren Unterströmungen des Bewusstseins, die an die Oberfläche gelangen, wenn sich der Geist in einem offeneren und empfänglicheren Zustand befindet.


Daher empfiehlt Acem den Meditierenden keineswegs die widerwillige Hinnahme der Gedanken in der Hoffnung, dass diese eines Tages von alleine verschwinden. Im Gegenteil, sie sollten mit Verständnis und Sympathie aufgenommen werden, während die gelassene  Wiederholung des Meditationslautes fortgeführt wird. Das freie Fließen der Gedanken erleichtert dem Geist die Verarbeitung der Vergangenheit und das Lösen mit ihr verbundener tiefliegender Spannungen.


Insofern ist die Frage nach dem Erreichen einer geistigen Leere falsch gestellt. Die wahre Herausforderung, und das gilt für Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen, ist der Umgang mit der spontanen geistigen Aktivität während der Meditation. Die Antwort darauf zu finden kann uns helfen, über unsere persönlichen Grenzen hinauszuwachsen und ein reichhaltigeres Leben zu führen.

 

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