Acem Meditation International

Hauptprinzipien der Acem-Meditation

Acem-Meditation ist eine Methode, mit der man an seinem Verhältnis zum eigenen Leben arbeiten kann. Durch tiefe Entspannung und Aktualisierung in der Meditation lässt sich eine wichtige Entwicklung in Gang setzen, welche die Bearbeitung von Persönlichkeitsstrukturen mit sich bringt, die unsere Erfahrungen mitbestimmen.

Hauptprinzipien der Acem-Meditation

Von Dr. Are Holen

Schrittweise kann diese Entwicklung dazu beitragen, die psychologischen Voraussetzungen für unser Verhältnis zu uns selbst, zu anderen und zur Welt zu ändern. Die Triebkraft zu einer solchen Entwicklung steckt schon in uns. Regelmäßige Ausübung von Acem-Meditation kann Möglichkeiten verbessern und ausweiten, die sonst leicht ungenutzt bleiben. Mit der Methode vergrößert man die Gelassenheit zum Gedankenstrom. Damit können die psychologischen Grenzen unseres Erfahrungs- und Handlungsspielraums bewusst werden und sich neue Lebenslösungen eröffnen.

Die Arbeitsmittel: Laut und Gelassenheit

Acem-Meditation wird im Sitzen durchgeführt – entweder in einem Sessel oder im Bett. Man schließt die Augen und wiederholt leicht und gelassen in Gedanken einen Methodenlaut. Der Platz, wo man meditiert, soll abgeschirmt und abgedunkelt sein. Man soll beim Meditieren alleine sein oder zusammen mit anderen, die auch meditieren. Es ist von begrenztem Nutzen, im Bus, Zug oder Flugzeug zu meditieren, oder an Orten mit Unruhe und Aktivität. Acem-Meditation soll täglich entweder zweimal 30 Minuten durchgeführt werden oder einmal 45 Minuten.

 

Meditationslaut

Wenn man meditiert, wiederholt man unangestrengt gedanklich einen Meditationslaut. Den Meditationslaut bekommt man von einem Meditationslehrer entweder in einer Gruppe oder individuell zugeteilt. Erfolgt die Zuteilung in einer Gruppe, erhalten alle denselben Meditationslaut. Dieser hat keine sprachliche oder symbolische Bedeutung. Er ist eine kurze Laut- und Rhythmuszusammensetzung, die meditative Versenkung durch ihre Lautstruktur und nicht durch Bedeutung fördert. Seine Wirkung gleicht mehr der von Musik als der von Sprache. Um wirksam zu sein, muss der Methodenlaut assoziationsfrei sein. Assoziationen mit Begriffen, Beziehungen, Situationen oder Werten schwächen seine Wirkung.

Tägliches Meditieren setzt tiefere vorsprachliche, prälogische Prozesse in unserer Persönlichkeit in Gang. Damit der Methodenlaut die optimale Wirkung bekommt, soll der Meditierende auf bestimmte Weise mit ihm umgehen. Er soll ihn für sich behalten, ihn nicht laut aussprechen und ihn nicht für etwas anderes benützen als die Meditation. Der Meditationslaut stellt kein Geheimnis dar. Nichts wird aufgedeckt oder erreicht, wenn er bekannt wird. Jedoch können andere Personen mit einem entsprechenden Methodenlaut es unangenehm und aufdringlich finden, wenn ihn jemand benennt. Aus Rücksicht sowohl auf sich selbst als auch auf andere gibt es deshalb die allgemeine Empfehlung, den Methodenlaut nicht laut auszusprechen. Auch soll man ihn nicht aufschreiben oder anderen Personen sagen. Man soll ihn wie etwas Persönliches und Privates behandeln. Aus demselben Grund werden die verschiedenen Methodenlaute und Kriterien für individuelle Zuteilung hier nicht näher besprochen.

Das Wichtige beim Meditieren liegt nicht im Meditationslaut, sondern in der Ausführung. Man muss lernen, die Meditation unter wechselnden inneren Bedingungen durchzuführen. Am besten lernt man das durch tägliches Praktizieren der Technik und gelegentliches Besprechen der Ausführung mit Meditationsberatern.

Obwohl Acem-Meditation einfach auszuführen ist, so ist ihre Wirkungsweise mitunter schwieriger zu verstehen. Durch seine Meditationsentwicklung wird der Meditierende in eine Abwehrsituation kommen, bewusste und unbewusste Kräfte gegen Veränderung werden geweckt. Die tieferen, vorsprachlichen und prälogischen Prozesse machen eine Einsicht in Acem-Meditation selbst für den schwierig, der die Methode über längere Zeit täglich praktiziert hat. Unterweisung in Meditationspsychologie kann zu einem gewissen Grad helfen, aber der beste Weg, sein Verhältnis zur Meditation zu verstehen und es aufzufrischen, nachdem man einige Zeit meditiert hat, liegt in der Teilnahme an Langzeitmeditationen. Das sind Meditationen von mehr als einer Stunde; sie werden bei eigens dafür organisierten Zusammenkünften praktiziert und sollen immer von Betreuung begleitet werden. In Langzeitmeditation werden alle Meditationsprozesse intensiviert und verdeutlicht, vor allem, wenn sie mehrere Tage hintereinander durchgeführt wird.

 

Gelassenheit

Der Meditationslaut soll gedanklich und mit einer bestimmten inneren Haltung wiederholt werden. Er soll nicht mit Konzentration, Druck oder Disziplin wiederholt werden, sondern ohne Anstrengung, auf eine offene und freie Weise. Für gewöhnlich sagt man, er soll mit “Gelassenheit” wiederholt werden, oder mit einer “gelassenen Haltung”, oder auf eine “ungebundene Weise”.

Der Begriff der Gelassenheit spielt für Acem-Meditation eine ganz zentrale Rolle. Die Gelassenheit oder Ungebundenheit ist es, die man versucht beim Meditieren in jeglichem inneren Zusammenhang zu pflegen. Die ungebundene Haltung ist der Schlüssel für Resultate und Fortschritt. Der Methodenlaut spielt eine untergeordnete, aber notwendige Rolle.

Verlust von Gelassenheit setzt der Meditation Grenzen. Ein Einführungskurs in Acem-Meditation hat zum Ziel, bei den Anfängern einen hinreichenden Grad an Ungebundenheit in der Ausführung zu erreichen. Das geht nicht im Handumdrehen. Was man mit dem Kopf versteht, spielt weniger eine Rolle. Acem-Meditation ist eine nicht-intellektuelle Technik. Ergebnisse der Meditation gewinnt man nicht aus einem Begriffsverständnis, durch Glauben, mit Hilfe höherer Mächte oder dank eines Gurus. Entscheidend ist der eigene Einsatz durch die Ungebundenheit, die in jeder einzelnen Methodenlautwiederholung geschaffen wird. Durch dieses innere Handeln können Grenzen im Leben des Meditierenden aufrechterhalten oder verschoben werden.

Mit zunehmender Gelassenheit auf tieferen Ebenen werden begrenzende Strukturen bewusst werden. Zunächst tauchen sie als Tendenzen der Anstrengung beim Meditieren auf – ohne dass man wirklich den Zusammenhang sieht. Gelangt man erneut zu einer guten, ungebundenen Lösung in der Ausführung, wird sich der Effekt nach und nach im äußeren Leben des Meditierenden geltend machen. Löst man das Meditationsproblem dagegen ohne Gelassenheit, z.B. mit Hilfe von Konzentration oder Lenkung, dann kann das Problem zwar kleiner erlebt werden, aber die eigentliche Meditationswirkung bleibt aus.

Über die Weise, wie sich Ergebnisse des Meditierens geltend machen, heißt es oft: “Erst in der Meditation, dann im Leben”. Je länger man regelmäßig die Meditation durchführt, umso mehr wird ihre Ausführung zum Vorreiter der persönlichen Entwicklung, des Wachstums und der Veränderung. Alle zentralen Lebensbelange werden früher oder später hier ihren Niederschlag finden, aber selten so wie man erwartet. Aus solchen Gründen ist Meditation ein existentielles Training in Prozessorientierung, d.h., Öffnungen zu finden, wo der Weg nicht gradlinig und offenkundig ist. Das ist er selten, wenn man mit unbewussten Prozessen arbeitet.

 

Entspannung

Beim Meditieren wird man sehr entspannt. Entspannung strebt man aber nicht mit Willen, Entschluss oder Anstrengung an; sie ist vielmehr ein spontanes Ergebnis der Meditation. Die Entspannung wird reflektorisch ausgelöst. “The relaxation response” hat der Harvard-Physiologe Herbert Benson das Phänomen genannt. Sie kann sowohl durch äußere und soziale Reize ausgelöst werden, als auch durch bestimmte Aktivitäten innerhalb des Nervensystems. In Acem-Meditation werden die Entspannungsreflexe durch richtige Meditationsausführung ausgelöst.

Entspannung ist die grundlegendste Wirkung der Meditation. Ihre Ruhe ist ein wichtiger Kontrast zu einem hektischen und gestressten Alltag. Aber Entspannung ist nicht nur ein Ergebnis. Sie ist auch ein Anfang und eine Voraussetzung für Aktualisierung mit tieferer Bearbeitung. Entspannung öffnet für Kontakt zu unreifen, unbefriedigten und unbearbeiteten Bedürfnissen in uns.

Scheinbar besteht eine Art Gegensatz zwischen Spannung und Entspannung. Gleichzeitig ziehen sich beide gegenseitig an. Zu viel Spannung weckt eine Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und Entspannung. Viel Entspannung lässt uns Stimulierung, Herausforderung und Spannung suchen. Wir haben ein Bedürfnis, im Leben zwischen diesen Polen zu wechseln. Spannung können wir auf verschiedene Weisen suchen. In einer oberflächlichen und konsumorientierten Gegenwart wird man Spannung leicht durch “action” bekommen. Das kann Bungeespringen sein, Felsklettern oder etwas Verbotenes zu tun. Spannung kann einem sonst leeren Dasein Sinn geben. Aber Sinn kann auch in introspektiver Richtung durch Selbstkonfrontation und Erkenntnis gesucht werden. Solches Erforschen ist auch spannend und bereichernd und außerdem weniger risikoreich. Dafür setzt es mehr Vertiefung, Zeit und Prozess voraus.

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